Sorgenfrei

Ein Leben ohne Sorgen

Du kennst fogende Situation (oder eine ähnliche): Seit langem habe ich mich zum ersten Mal für eine gut verknüpfte Mittelstrecke (Stuttgart – Duisburg direkt) auf die Deutsche Bahn verlassen. Bereits mein kleiner Zubringer nach Stuttgart hat Verspätung und so verpasse ich den Direkt-ICE um lausige zwei Minuten. Das sind die Fakten – nüchtern und sachlich.

Was jetzt aber kommt, ist das, was unser Leben problematisch macht: Meine Gedanken, bzw. meine Sorgen. Ich sitze also im Regionalexpress nach Stuttgart Hbf und beginne, mir exzessiv Sorgen zu machen. Ob ich den ICE noch erwische, warum ich nicht doch den Flieger oder gar das Auto genommen habe. Ich ärgere mich über mich selbst. Hast Du das auch schon mal erlebt? Ganz bestimmt.

Ist das hilfreich? Ist das konstruktiv? Ganz sicher nicht – im Gegenteil! Ich kann mich nicht einmal mehr auf das Buch konzentrieren, das ich gerade lese. Statt dessen schweifen meine Gedanken immer wieder zu meiner Verspätung, zum Ärger über meine vermeintlich falsche Entscheidung. Endlich kann ich dann ruhig werden und mich auf  meinen Zustand konzentrieren. Wie geht es mir gerade? Komme zur Ruhe! Überlege nüchtern Deine Optionen.

  1. Es könnte tatsächlich sein, dass noch ein weiterer ICE fährt, der mich meinen Termin pünktlich erreichen lässt – unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.
  2. Ich könnte es vielleicht zurück nach Nürtingen schaffen, um mit meinem Auto zum Flughafen zu fahren und dort kurzfristig ein Ticket ausgerechnet mit Air Berlin (notorisch verspätet zur Zeit) zu erstehen. Wird etwas knapp, aber müsste gehen. Ist auch eher unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.
  3. Ich neheme das Auto und schaffe das unmöglich in der Zeit.
  4. Ich verschiebe meinen Termin.

Meine Conclusio ist, dass die Optionen genau wie oben im Ranking sind. FALLS es einen Zug gibt, wäre das die einfachste und beste Alternative. Aber darum geht es hier ja gar nicht. Es geht darum, dass ich – obgleich durchaus ein helles und selbstreflektiertes Kerlchen – in alte, nicht hilfreiche Verhaltensmuster verfallen bin. Und genau das ist der Lernpunkt hier.

Wenn Du also auch ab und zu in Sorgen, Ängste, Grübeln verfällst und bemerkst, wie Du Dir nicht gut tust damit, dann denke an diesen Blogpost!

  1. Du musst es natürlich erst einmal selbst erkennen. Da kann Dir keiner helfen.
  2. Keine Panik – ruhig und tief atmen!
  3. Sobald Du entspannt und locker im Kopf bist: Überlege Dir nüchtern Deine Optionen!
  4. Ranke diese Optionen!
  5. Und dann lass‘ los – Du kannst jetzt, wo Du im verspäteten Zug sitzt (metaphorisch gesehen), ohnehin nichts ändern.
  6. Sobald Du das erste Teilergebnis siehst (der ICE 612 war tatsächlich weg), brauchst Du (wieder nur bildlich gesprochen) nur noch Deinen Plan ruhig abarbeiten.

Klingt einfach, fast schon banal. Ist es aber nicht. Und ich möchte nicht wissen, wie viele tausend Menschen täglich mit diesem Problem zu kämpfen haben.

Interessiert Dich, wie es ausgegangen ist? Der Zug war weg. Ich ging zur Auskunft, da meine Mobil-Verbindung nicht die tollste war. Es gab tatsächlich einen nächsten ICE (sogar wieder direkt) 50 Minuten später. Damit war zwar mein Puffer aufgebraucht, noch bevor es richtig losging. Aber dann lief alles wie am Schnürchen und ich schaffte es doch noch pünktlich zum Termin.

Wenn wir der aktuellen Forschung glauben schenken, hätte ich mir eine Menge Stresshormone (allen voran Cortisol) und schlechte Stimmung schenken können (okay, das dauerte bei mir glücklicherweise nur ein paar Minuten. Lernpunkt für mich: SOFORT raus aus dieser Falle mit obigem Plan!